Veröffentlicht am März 15, 2024

Die Verlagerung von Strassentransporten auf die Schiene ist kein unkalkulierbares Risiko, sondern eine strategische Notwendigkeit, die bei richtiger Planung sowohl ökologisch als auch ökonomisch profitabel ist.

  • Die grössten Hürden wie technische Inkompatibilität, Pünktlichkeit und die Organisation der letzten Meile sind durch moderne Technologien und digitale Planungsinstrumente lösbar.
  • Die Gesamtkostenbetrachtung (TCO) zeigt, dass Einsparungen bei Maut, CO2-Preisen und Fahrerkosten die höheren Initialkosten des Kombinierten Verkehrs oft übertreffen.

Empfehlung: Beginnen Sie nicht mit einer Komplettumstellung, sondern identifizieren Sie eine Pilotstrecke über 400 km und führen Sie eine detaillierte TCO-Analyse durch, um das Potenzial für Ihr Unternehmen zu quantifizieren.

Als Nachhaltigkeitsmanager oder Logistiker stehen Sie vor einer klaren Herausforderung: den CO2-Fussabdruck Ihrer Transportketten drastisch zu senken, ohne die Effizienz und das Budget zu sprengen. Die Kombination von LKW und Bahn, der Kombinierte Verkehr (KV), wird dabei oft als Königsweg gepriesen. Die Vision ist verlockend: Container und Sattelauflieger gleiten emissionsarm über weite Strecken auf der Schiene, während der LKW nur noch für den flexiblen Vor- und Nachlauf zuständig ist. Doch die Realität der Umsetzung wirkt oft abschreckend.

Viele Entscheider zögern, denn die bekannten Einwände sind zahlreich: „Unsere Auflieger sind nicht kranbar“, „Die Bahn ist doch immer unpünktlich“ oder „Wer haftet bei Schäden am Umschlagterminal?“. Diese Bedenken führen dazu, dass das enorme Potenzial des Kombinierten Verkehrs ungenutzt bleibt und der Grossteil der Waren weiterhin auf der überlasteten und emissionsintensiven Autobahn transportiert wird. Die Folge sind steigende Maut- und CO2-Kosten sowie eine wachsende Abhängigkeit von knappen Fahrerressourcen.

Doch was wäre, wenn diese Hindernisse weniger unüberwindbar sind, als sie scheinen? Dieser Artikel bricht mit der oberflächlichen Diskussion und verfolgt einen operativen Ansatz. Statt nur die Vorteile zu preisen, entkräften wir die fünf häufigsten Vorbehalte gegen den Kombinierten Verkehr mit praxiserprobten Strategien, technologischen Lösungen und einer klaren wirtschaftlichen Perspektive. Wir zeigen Ihnen, wie Sie die Verlagerung auf die Schiene nicht als Problem, sondern als strategische Chance für mehr operative Resilienz und Profitabilität begreifen. Es ist an der Zeit, die Frage vom „Ob“ zum „Wie“ zu lenken.

In diesem Leitfaden navigieren wir Sie durch die entscheidenden Aspekte einer erfolgreichen Implementierung. Wir analysieren die technischen Voraussetzungen, bewerten die tatsächliche Zuverlässigkeit der Schiene, beleuchten finanzielle Anreize und bieten konkrete Lösungen für die kritischen Schnittstellen Ihrer neuen, grünen Logistikkette. Entdecken Sie die Bausteine für Ihren Weg in eine zukunftsfähige Logistik.

Warum Sie nicht jeden LKW einfach auf den Zug setzen können

Die Vorstellung, einen beliebigen Sattelauflieger am Terminal abzugeben und auf den nächsten Güterzug zu verladen, entspricht leider nicht der Realität. Das erste und fundamentalste Hindernis bei der Verlagerung ist technischer Natur: die Kranbarkeit. Ein Grossteil der europäischen Trailer-Flotte besteht aus Standard-Sattelaufliegern, die nicht dafür konstruiert sind, von einem Kran an Greifkanten angehoben zu werden. Ein vertikaler Umschlag würde ihre Struktur beschädigen. Dies scheint die Tür zum Kombinierten Verkehr für viele Flotten zunächst zu verschliessen.

Doch die Industrie hat auf diese Herausforderung mit beeindruckenden Innovationen reagiert. Es existieren heute mehrere „Technologie-Brücken“, die es ermöglichen, auch nicht-kranbare Auflieger effizient auf die Schiene zu bringen. Systeme wie NiKRASA nutzen spezielle Plattformen, die den Auflieger aufnehmen und dann als Ganzes mit Standard-Kranen verladen werden können. Andere Technologien wie CargoBeamer oder Modalohr setzen auf Horizontalumschlag, bei dem die Ladefläche des Waggons seitlich ausschwenkt oder der LKW auf eine Art Palette fährt, die dann in den Zug geschoben wird.

Die Wahl der richtigen Technologie hängt von den verfügbaren Terminals auf Ihrer Route, dem Investitionsbedarf und der Umschlagzeit ab. Die folgende Analyse zeigt, dass für fast jedes Szenario eine passende Lösung existiert, wie eine vergleichende Untersuchung innovativer Systeme belegt.

Vergleich innovativer Verladetechnologien für den Kombinierten Verkehr
Technologie Umschlagzeit Terminalfläche Besonderheit
Modalohr < 60 Min Mittel Seitliches Aufschwenken
CargoBeamer < 60 Min Gering Horizontalumschlag parallel
NiKRASA 120 Min Gering Vertikaler Standard-Umschlag
Megaswing < 60 Min Gering Flexible Handhabung

Die Frage lautet also nicht mehr, ob Ihr Fuhrpark kompatibel ist, sondern welche Verladetechnologie am besten zu Ihrer Logistikkette und den frequentierten Routen passt. Die Investition in kranbare Trailer oder die Nutzung von Terminals mit speziellen Umschlagsystemen wird so zu einer kalkulierbaren unternehmerischen Entscheidung.

Bahn vs. Stau: Ist die Schiene wirklich pünktlicher als die Strasse?

Das grösste Vorurteil gegenüber dem Schienengüterverkehr ist die vermeintliche Unpünktlichkeit. Berichte über Verspätungen und Zugausfälle prägen das öffentliche Bild und lassen Logistiker zurückschrecken, die auf Just-in-time-Lieferketten angewiesen sind. Der LKW, so die Annahme, sei trotz Stau, Baustellen und Fahrermangel immer noch die berechenbarere Alternative. Doch diese Wahrnehmung ignoriert zwei entscheidende Faktoren: die wachsende Unzuverlässigkeit der Strasse und die fortschreitende Digitalisierung der Schiene.

Während ein Stau unvorhersehbar und unumgehbar ist, sind Verzögerungen im Bahnverkehr oft systembedingt und damit in die Planung integrierbar. Grenzübergänge mit Lokwechsel, geplante Baumassnahmen oder Wartezeiten auf Überholungen durch Personenzüge sind bekannte Variablen. Anstatt die Pünktlichkeit absolut zu vergleichen, geht es um operative Resilienz und die Fähigkeit, Abweichungen proaktiv zu managen. Moderne Kontrollzentren und Echtzeit-Track-&-Trace-Systeme ermöglichen heute eine Transparenz, die dem Strassengüterverkehr in nichts nachsteht. Sie wissen zu jeder Zeit, wo sich Ihr Gut befindet und können bei prognostizierten Verspätungen sofort reagieren.

Moderner Kontrollraum mit digitalen Bildschirmen zur Überwachung von Güterzügen im Kombinierten Verkehr

Der Schlüssel liegt in einer intelligenten Pufferplanung. Statt auf das Prinzip Hoffnung zu setzen, können Sie Abweichungen systematisch einkalkulieren. Die strategische Planung macht die Schiene zu einem äusserst zuverlässigen Verkehrsträger für den Hauptlauf. Folgende Schritte helfen Ihnen dabei, realistische Zeitfenster zu definieren:

  1. Analysieren Sie historische Verspätungsdaten Ihrer gewählten KV-Verbindung über mindestens drei Monate.
  2. Addieren Sie einen Zeitpuffer von 15-20 % für Terminal-Umschläge bei regulären Verbindungen.
  3. Planen Sie bei grenzüberschreitenden Transporten zusätzliche 30 Minuten für den Lokwechsel ein.
  4. Berücksichtigen Sie saisonale Schwankungen, insbesondere im Winter, mit einem zusätzlichen Puffer von ca. 10 %.
  5. Implementieren Sie Track-&-Trace-Systeme für eine proaktive Kundeninformation bei Abweichungen.

Die Schiene ist nicht per se pünktlicher als die Strasse, aber ihre Abweichungen sind besser prognostizierbar und damit beherrschbar. Sie tauschen die unkalkulierbare Willkür eines Staus gegen eine planbare Variable.

Welche staatlichen Zuschüsse gibt es für die Verlagerung auf die Schiene?

Die Entscheidung für den Kombinierten Verkehr ist nicht nur eine ökologische, sondern auch eine politisch gewollte. Regierungen auf nationaler und europäischer Ebene haben ein vitales Interesse daran, Güter von der Strasse auf die Schiene zu verlagern, um Klimaziele zu erreichen, die Infrastruktur zu entlasten und die Versorgungssicherheit zu erhöhen. Dieses Interesse manifestiert sich in einer Reihe von attraktiven Förderprogrammen, die die wirtschaftliche Hürde für den Einstieg in den KV deutlich senken.

Diese Zuschüsse sind ein entscheidender Faktor in der TCO-Verschiebung (Total Cost of Ownership). Während die reinen Transportkosten pro Kilometer auf der Schiene zunächst höher erscheinen mögen, verändern Förderungen das Gesamtbild erheblich. Eine der wichtigsten Säulen ist die Förderung der Umschlagkosten. In Deutschland beispielsweise bezuschusst der Staat die Betreiber von KV-Terminals, die diese Reduzierung direkt an die Speditionen und Verlader weitergeben. Dadurch werden die Kosten für das Heben eines Containers oder Trailers vom LKW auf den Zug und zurück spürbar gesenkt.

Darüber hinaus gibt es Investitionszuschüsse für die Anschaffung von KV-fähigem Equipment. Unternehmen, die in kranbare Sattelauflieger oder spezielle Verladetechnik investieren, können oft mit direkten finanziellen Beihilfen rechnen. Diese Programme erkennen an, dass die Umstellung eine Anfangsinvestition erfordert, und helfen, die Amortisationszeit zu verkürzen. Bei einem hohen Transportvolumen, beispielsweise über 40.000 Einheiten pro Jahr auf Strecken ab 400 km, kann sich eine solche Investition bereits nach drei bis vier Jahren rechnen. Der Grund für diese massive Unterstützung ist das enorme Einsparpotenzial: Laut einer UIRR-Studie kann der kombinierte Verkehr bis zu 90 % weniger CO2-Emissionen im Vergleich zum reinen Strassentransport verursachen.

ň

Es ist daher unerlässlich, sich vor der Planung einer KV-Verbindung umfassend über die aktuell verfügbaren nationalen und EU-weiten Förderprogramme zu informieren. Diese Subventionen sind keine Almosen, sondern ein kalkulierbarer Bestandteil Ihrer neuen, kosteneffizienten Logistikstrategie.

Wie organisieren Sie den Nachlauf vom Terminal zum Kunden effizient?

Selbst der pünktlichste Güterzug ist wertlos, wenn der Container am Zielterminal tagelang auf den Weitertransport zum Endkunden wartet. Die „letzte Meile“ – der sogenannte Nachlauf – gilt als Achillesferse des Kombinierten Verkehrs. Fehlende Absprachen, unklare Ankunftszeiten und mangelnde LKW-Kapazitäten am Terminal können die Zeit- und Effizienzvorteile des Schienentransports zunichtemachen. Die Lösung für dieses Problem liegt in einem Wort: Schnittstellen-Intelligenz.

Anstatt den Nachlauf als separaten, nachgelagerten Prozess zu betrachten, muss er als integraler Bestandteil der gesamten Transportkette digital synchronisiert werden. Das bedeutet, dass die Informationsflüsse zwischen Bahnbetreiber, Terminal und Nachlauf-Spediteur nahtlos ineinandergreifen müssen. Moderne Transport-Management-Systeme (TMS) können heute über API-Schnittstellen direkt mit den Systemen der Terminals kommunizieren. So wird die voraussichtliche Ankunftszeit (ETA) des Zuges automatisch übermittelt und kann zur dynamischen Buchung von Zeitfenstern (Slots) für die Abholung genutzt werden.

Effiziente Organisation des Nachlaufs am KV-Terminal mit wartenden LKW in geordneten Reihen

Diese digitale Orchestrierung verhindert teure Standzeiten und sorgt dafür, dass der richtige LKW zur richtigen Zeit am richtigen Gleis steht. Die GPS-Ortung der Nachlauf-Fahrzeuge ermöglicht zudem Echtzeit-Updates für den Endkunden und ein proaktives Management bei unvorhergesehenen Verzögerungen. Um diese Effizienz sicherzustellen, ist es entscheidend, klare Service-Level-Agreements (SLAs) mit lokalen Nachlauf-Partnern zu definieren, die Reaktionszeiten und Kapazitäten für verschiedene Zeitfenster garantieren.

Eine erfolgreiche Organisation des Nachlaufs basiert auf den folgenden fünf Säulen der digitalen Synchronisation:

  1. Implementieren Sie API-Schnittstellen zwischen Ihrem TMS und den Systemen der Terminal-Betreiber.
  2. Richten Sie eine automatische Slot-Buchung ein, die auf der dynamischen ETA des Zuges basiert.
  3. Nutzen Sie GPS-Ortung für Echtzeit-Updates an die beteiligten Nachlauf-Spediteure und den Endempfänger.
  4. Definieren Sie Service-Level-Agreements (SLAs) mit lokalen Partnern, die feste Kapazitäten und Reaktionszeiten zusichern.
  5. Etablieren Sie ein klares Eskalationsprotokoll für den Umgang mit Verspätungen von über 60 Minuten.

Durch diese Massnahmen verwandelt sich die chaotische letzte Meile in einen choreografierten, hocheffizienten Prozess, der die Zuverlässigkeit Ihrer gesamten Lieferkette sicherstellt.

Wer zahlt, wenn der Container beim Umladen vom Zug auf den LKW beschädigt wird?

Die Frage der Haftung ist ein kritischer Punkt, der viele Unternehmen vom Kombinierten Verkehr abhält. Wenn eine Sendung auf ihrer Reise von mehreren Parteien – Vorlauf-Spediteur, Bahngesellschaft, Terminalbetreiber, Nachlauf-Spediteur – gehandhabt wird, scheint die Zuordnung eines Schadensfalles zu einem Albtraum zu werden. Wer ist verantwortlich, wenn ein Container mit einer Delle am Zielort ankommt? Die Angst vor langwierigen Rechtsstreitigkeiten und ungedeckten Kosten ist eine reale Sorge. Doch auch hier bieten moderne Prozesse und Dokumentationsstandards eine klare Lösung: die lückenlose Haftungs-Kette.

Das zentrale Instrument zur Klärung der Verantwortlichkeiten ist das sogenannte Interchange Receipt. Dieses digitale Dokument protokolliert den Zustand der Ladeeinheit (Container, Auflieger) bei jedem Übergang von einem Verantwortungsbereich in den nächsten. Wenn der LKW-Fahrer den Container am Terminal abgibt, wird sein Zustand geprüft und digital bestätigt. Dasselbe geschieht, wenn der Container vom Zug gehoben und an den Nachlauf-Spediteur übergeben wird. Jeder sichtbare Schaden wird mit Zeitstempel und Fotos erfasst.

Diese digitale Beweiskette macht es möglich, den genauen Zeitpunkt und Ort der Schadensentstehung eindeutig zuzuordnen. Wie Frank Erschkat von DB Cargo betont, ist die lückenlose Dokumentation der Schlüssel zum Risikomanagement im KV.

Die Beweiskette lückenlos zu sichern ist entscheidend. Das Interchange-Receipt dokumentiert digital den Zustand beim Übergang zwischen den Verkehrsträgern.

– Frank Erschkat, DB Cargo KV Maritim

Unternehmen können ihre Risiken weiter minimieren, indem sie proaktive Massnahmen zur Schadensprävention ergreifen. Dazu gehört nicht nur die korrekte Ladungssicherung gemäss CTU-Code, sondern auch eine standardisierte Fotodokumentation vor und nach jedem Umschlag. Eine sorgfältige Prüfung der Versicherungspolicen auf Klauseln zu „unbekannten Schadensorten“ ist ebenfalls ratsam, um Deckungslücken zu schliessen. Wie von Experten der Allianz pro Schiene empfohlen, schafft ein standardisierter Präventionsprozess die Grundlage für eine sichere intermodale Kette. Die Angst vor unklaren Haftungsverhältnissen weicht so einer transparenten und managebaren Prozesslandschaft.

Wie messen Sie den CO2-Ausstoss pro Paket korrekt (ISO 14083)?

Die Reduzierung von CO2-Emissionen ist das Hauptargument für den Kombinierten Verkehr. Doch um diesen Vorteil gegenüber Kunden, Investoren und Aufsichtsbehörden glaubhaft zu machen, müssen die Einsparungen präzise und nachvollziehbar beziffert werden. Pauschale Angaben reichen nicht mehr aus. Die internationale Norm ISO 14083 liefert den globalen Standard für die Berechnung und Deklaration von Treibhausgasemissionen in der Transportkette. Ihre korrekte Anwendung ist für jeden Nachhaltigkeitsmanager unerlässlich.

Die Norm verlangt eine granulare Betrachtung der gesamten Kette, vom Vorlauf über den Hauptlauf bis zum Nachlauf. Es genügt nicht, einfach einen Durchschnittswert für den Schienentransport anzusetzen. Faktoren wie die Auslastung des Zuges, die Art des verwendeten Stroms (grau oder grün) und die spezifische Effizienz der eingesetzten Lokomotiven und Waggons müssen berücksichtigt werden. Der Unterschied ist signifikant: So ermittelte das Umweltbundesamt für 2022 einen Wert von 31 g CO2 pro Personenkilometer im Schienenfernverkehr gegenüber 166 g beim PKW, was die massive Differenz zwischen den Verkehrsträgern verdeutlicht. Diese Präzision ist für die Glaubwürdigkeit Ihres Nachhaltigkeitsberichts entscheidend.

Glücklicherweise müssen Logistiker diese komplexen Berechnungen nicht manuell durchführen. Eine Reihe von spezialisierten Software-Tools hat sich darauf spezialisiert, ISO-14083-konforme Emissionsberichte zu erstellen. Sie greifen auf riesige Datenbanken zu und kalkulieren den CO2-Ausstoss für jede Teilstrecke präzise. Die Auswahl des richtigen Tools ist ein strategischer Schritt zur Validierung Ihrer grünen Logistik.

Software-Tools für ISO 14083-konforme CO2-Berechnung
Tool Funktionen Integration Preis
EcoTransIT Multimodal, EN16258/ISO14083 API verfügbar Ab 2.500€/Jahr
Searoutes Maritimer Schwerpunkt REST API Freemium-Modell
SGKV Syslog KV-spezialisiert CSV-Export Auf Anfrage

Die korrekte Messung des CO2-Ausstosses ist mehr als eine buchhalterische Übung. Sie ist der quantitative Beweis für den Erfolg Ihrer Nachhaltigkeitsstrategie und ein starkes Marketinginstrument. Die Investition in ein validiertes Berechnungstool verwandelt abstrakte Umweltziele in harte, berichtsfähige KPIs.

Wie Sie Mautstrecken umfahren, ohne Zeit und Sprit zu verschwenden

Die stetig steigenden LKW-Mautgebühren in Deutschland und Europa sind zu einem wesentlichen Kostentreiber im Strassengüterverkehr geworden. Die klassische Reaktion – die Suche nach mautfreien Alternativrouten – führt oft in eine Sackgasse: Längere Fahrzeiten, höherer Kraftstoffverbrauch und die Belastung von Landstrassen machen die scheinbare Ersparnis schnell zunichte. Der Kombinierte Verkehr bietet hier einen fundamental anderen, weitaus strategischeren Ansatz: Statt die Maut zu umfahren, wird sie auf ein Minimum reduziert, indem die mautpflichtige Langstrecke durch den Schienentransport ersetzt wird.

Jeder Kilometer, den ein Sattelauflieger auf dem Zug zurücklegt, ist ein Kilometer, für den keine Maut anfällt. Bei den aktuellen Mautsätzen, die in Deutschland bei rund 19 Cent pro Kilometer für einen modernen Euro-6-LKW beginnen, summiert sich dieses Einsparpotenzial rapide. Diese „Maut-Arbitrage“ ist ein zentraler Hebel der TCO-Verschiebung und kann die höheren Fixkosten des KV oft kompensieren. Die strategische Routenplanung verlagert sich von der Suche nach der kürzesten Strassenverbindung hin zur Identifikation der optimalen Kombination aus KV-Terminals, die den mautpflichtigen Strassenanteil minimiert.

Makroaufnahme eines digitalen Routenplanungstools mit optimaler Terminalauswahl

Die Effektivität dieses Ansatzes zeigt sich eindrucksvoll an konkreten Beispielen aus der Industrie. Ein herausragendes Fallbeispiel liefert die Automobillogistik.

Fallstudie: Mauteinsparung durch KV-Verlagerung bei Audi

Die Helrom Trailer Rail Verbindung zwischen Regensburg und dem ungarischen Lébény verlagert täglich 72 LKW-Transporte für Audi von der Strasse auf die Schiene. Angesichts durchschnittlicher Mautkosten von 0,187 €/km auf deutschen Autobahnen ergibt sich hierdurch eine beeindruckende Ersparnis. Wie transport-online.de berichtet, spart der Automobilhersteller durch diese eine Verbindung jährlich über 2,4 Millionen Euro allein an Mautgebühren ein. Dies verdeutlicht, wie die strategische Nutzung des KV die Maut von einem unvermeidbaren Kostenfaktor in einen Hebel zur Effizienzsteigerung verwandelt.

Die Verlagerung auf die Schiene ist somit die intelligenteste Form der Maut-Umfahrung. Sie spart nicht nur direkte Kosten, sondern reduziert gleichzeitig den CO2-Ausstoss, den Kraftstoffverbrauch und die Belastung der Fahrer – ohne Kompromisse bei der Effizienz.

Das Wichtigste in Kürze

  • Technische Hürden wie nicht-kranbare Auflieger sind durch innovative Verladetechnologien (z.B. NiKRASA, CargoBeamer) überwindbar.
  • Die Zuverlässigkeit der Schiene ist durch digitale Planung, Echtzeit-Tracking und intelligente Pufferzeiten managebar und oft berechenbarer als der Strassenverkehr.
  • Die Wirtschaftlichkeit des Kombinierten Verkehrs wird durch staatliche Förderungen und erhebliche Einsparungen bei Maut und CO2-Abgaben signifikant verbessert.

Wie reduzieren Sie den CO2-Fussabdruck Ihrer Logistik, ohne die Kosten zu sprengen?

Wir haben die technischen, operativen und finanziellen Hürden des Kombinierten Verkehrs analysiert und für jede eine praxistaugliche Lösung skizziert. Die finale und wichtigste Frage für jeden Logistikentscheider lautet jedoch: Rechnet sich das alles am Ende? Die Antwort liegt in einer umfassenden Betrachtung der Total Cost of Ownership (TCO). Eine isolierte Gegenüberstellung von Frachtraten pro Kilometer führt in die Irre. Erst wenn alle direkten und indirekten Kosten – und Einsparungen – in die Kalkulation einfliessen, wird das wahre wirtschaftliche Potenzial der Schienenverlagerung sichtbar.

Die TCO-Analyse für den Kombinierten Verkehr geht weit über den reinen Transportpreis hinaus. Auf der Kostenseite stehen die Gebühren für Vor- und Nachlauf per LKW, die Terminalgebühren für den Umschlag sowie die Kosten für den Hauptlauf auf der Schiene. Dem gegenüber steht eine beeindruckende Liste von Einsparungen: die komplette Vermeidung von Mautgebühren für die Langstrecke, signifikant niedrigere Energiekosten, die Einsparung von CO2-Zertifikatskosten (die ab 2026 auf 65 €/t steigen) und die Reduzierung der Abhängigkeit von teuren und knappen Fahrerressourcen. Auch weiche Faktoren wie eine gestärkte Kundenbindung durch nachweisbar nachhaltige Lieferketten und eine verbesserte Risikostreuung haben einen monetären Wert.

Die Verlagerung auf die Schiene ist kein reines Kostensenkungsprogramm, sondern eine strategische Investition in die Zukunftsfähigkeit Ihrer Logistik. Sie macht Ihr Unternehmen widerstandsfähiger gegen steigende CO2-Preise, Fahrermangel und Verkehrsinfarkte. Die folgende Checkliste bietet Ihnen einen Fahrplan, um eine fundierte TCO-Analyse für Ihre spezifischen Transportrelationen durchzuführen.

Ihr Fahrplan zur TCO-Analyse für den Kombinierten Verkehr

  1. Erfassen Sie Ihre aktuellen Kosten für Diesel, Maut und Fahrerlöhne pro spezifischer LKW-Strecke.
  2. Kalkulieren Sie die KV-Kosten inklusive Vor-/Nachlauf-Angeboten und den publizierten Terminalgebühren.
  3. Addieren Sie alle verfügbaren Förderungen, wie die deutsche KV-Förderung oder De-minimis-Beihilfen, auf der Habenseite.
  4. Bewerten Sie die CO2-Kosten für beide Szenarien basierend auf den kommenden Preisen (z.B. 45 €/t ab 2024, 65 €/t ab 2026).
  5. Berücksichtigen Sie weiche Faktoren wie das Potenzial für eine höhere Kundenbindung durch eine nachweislich grüne Logistik.

Diese Analyse wird Ihnen zeigen, dass die intelligente Kombination von LKW und Bahn nicht nur den CO2-Fussabdruck Ihrer Logistik reduziert, sondern in vielen Fällen auch die profitabelste Option darstellt. Es ist der definitive Weg, Ökologie und Ökonomie in Einklang zu bringen.

Um diesen Prozess erfolgreich zu starten, ist es entscheidend, die Methodik zur Reduzierung des CO2-Fussabdrucks bei gleichzeitiger Kostenkontrolle zu verinnerlichen.

Beginnen Sie jetzt mit der Analyse Ihrer Total Cost of Ownership für eine Pilotstrecke. Nur so können Sie das volle Potenzial des Kombinierten Verkehrs für Ihr Unternehmen quantifizieren und eine fundierte, zukunftsweisende Entscheidung für Ihre Logistikstrategie treffen.

Geschrieben von Thomas Thomas Krüger, Geprüfter Verkehrsfachwirt und ehemaliger Fernfahrer mit 20 Jahren Erfahrung im Schwerlastverkehr und Flottenmanagement. Experte für Fuhrparktechnik, Telematik-Systeme und Ladungssicherung nach VDI 2700.