Veröffentlicht am Mai 17, 2024

Die Wahl der Löschanlage ist keine Budgetfrage, sondern eine strategische Entscheidung über den Erhalt Ihrer Sachwerte und die Sicherung der Betriebsfähigkeit.

  • Sprinkleranlagen bieten einen bewährten Basisschutz, bergen jedoch das Risiko massiver Wasserschäden (Kollateralschäden), die den Wert der gelöschten Ware vernichten können.
  • Gaslöschanlagen löschen rückstandsfrei durch Sauerstoffverdrängung und sind essenziell für den Schutz von Elektronik, Daten und hochwertigen, wasserempfindlichen Gütern.

Empfehlung: Führen Sie eine detaillierte Risikoanalyse durch, die nicht nur die Brandlast, sondern auch den Wert und die Empfindlichkeit des Lagerguts bewertet, um den potenziellen Kollateralschaden in die Gesamtkostenrechnung einzubeziehen.

Als Brandschutzbeauftragter oder Bauherr stehen Sie vor einer existenziellen Entscheidung: Wie schützen Sie Ihr Lager und die darin befindlichen Werte am effektivsten vor Feuer? Die Diskussion verengt sich oft auf die Wahl zwischen einer Sprinkleranlage und einer Gaslöschanlage. Viele sehen dies als eine reine Kostenfrage, bei der die bewährte Sprinklertechnologie oft als Standardlösung gilt. Man installiert Rauchmelder, plant die Wartung und vertraut auf die konventionellen Methoden. Doch dieser Ansatz ist gefährlich kurzsichtig, denn er ignoriert die grösste Gefahr nach dem Feuer: den Löschschaden selbst.

Die eigentliche Frage ist nicht, ob das Feuer gelöscht wird, sondern was danach übrig bleibt. Ein mit Wasser geflutetes Lager voller empfindlicher Elektronik, pharmazeutischer Produkte oder wertvoller Dokumente ist zwar nicht abgebrannt, aber dennoch ein wirtschaftlicher Totalschaden. Der strategische Fehler liegt darin, den Brandschutz isoliert von der Werterhaltung zu betrachten. Es geht um die Abwägung zwischen dem Löschen des Brandes und der Rettung der Betriebsgrundlage. Die Annahme, dass eine einzige Lösung für alle Lagertypen passt, ist ein Trugschluss, der im Ernstfall Millionen kosten kann.

Dieser Leitfaden bricht mit dieser oberflächlichen Betrachtung. Wir werden den Fokus von der reinen Brandbekämpfung auf die strategische Werterhaltung lenken. Anstatt Sprinkler und Gas als simple Alternativen zu sehen, analysieren wir sie als spezialisierte Werkzeuge für unterschiedliche Schutzziele. Wir tauchen tief in die technischen Realitäten moderner Lagerhallen ein – von der Brandlast-Dynamik in Hochregalen über die Detektions-Latenz an hohen Decken bis hin zu den spezifischen Gefahren durch Lithium-Ionen-Akkus. Ziel ist es, Ihnen eine fundierte Entscheidungsgrundlage zu geben, die nicht nur Ihr Gebäude, sondern vor allem Ihre Geschäftskontinuität sichert.

Um diese komplexe Entscheidung systematisch anzugehen, haben wir diesen Artikel in spezifische Problemfelder gegliedert. Jeder Abschnitt beleuchtet eine kritische Facette des modernen Lagerbrandschutzes und hilft Ihnen, die für Ihre Situation passende Strategie zu entwickeln.

Warum Kartonagen und Paletten das Brandrisiko im Regal potenzieren

Ein modernes Hochregallager ist aus brandschutztechnischer Sicht ein Pulverfass. Die Kombination aus Holzpaletten, Kartonagen und Kunststoffverpackungen schafft eine enorme Brandlast, die oft unterschätzt wird. Die Statistik ist alarmierend: Über 33 % aller grossen Brandschäden in Gewerbe und Industrie entstehen in Lagerhallen. Der Grund liegt in der Brandlast-Dynamik: Feuer kann sich in den vertikalen Kanälen eines Regals mit explosiver Geschwindigkeit ausbreiten. Die Struktur von Wellpappe und die raue Oberfläche von Holzpaletten bieten dem Feuer eine riesige Angriffsfläche und reichlich Sauerstoff, was zu einem schnellen Durchbrennen über mehrere Regalebenen führt – ein Kamineffekt, der konventionelle Löschsysteme an ihre Grenzen bringt.

Die dichte Lagerung maximiert zwar die Flächennutzung, minimiert aber die Chancen für eine effektive Brandbekämpfung. Die Zwischenräume in und zwischen den Paletten wirken wie Brandkanäle. Ein Glimmbrand in einer unteren Ebene kann sich unbemerkt zu einem Vollbrand entwickeln, der ganze Regalzeilen erfasst, bevor die Löschanlage an der Decke überhaupt auslöst. Diese spezifische Gefahr erfordert eine Brandbekämpfungsstrategie, die direkt am potenziellen Entstehungsort ansetzt, anstatt nur von oben zu löschen.

Um diese Brandlast-Dynamik visuell zu verdeutlichen, betrachten Sie die feinen Strukturen der Materialien, die in Ihrem Lager dominieren. Die poröse, luftdurchsetzte Beschaffenheit ist der Schlüssel zu ihrer hohen Brennbarkeit.

Makroaufnahme von Kartonwellpappe und Holzpaletten-Struktur zeigt Brennbarkeit

Dieses Bild zeigt, warum diese Materialien so gefährlich sind. Die feinen Fasern und die offene Struktur ermöglichen eine schnelle Sauerstoffzufuhr und damit eine rasante Flammenausbreitung. Für den Brandschutz bedeutet das: Die Prävention muss bereits bei der Lagerplanung beginnen und die Löschanlage muss in der Lage sein, einen Brand im Inneren des Regals zu erreichen, nicht nur an der Oberfläche.

Wie oft müssen Sie die Anlage spülen, damit sie im Ernstfall nicht verstopft?

Die Entscheidung für eine Löschanlage ist auch eine Entscheidung für einen bestimmten Wartungsaufwand. Die Systemintegrität, also die garantierte Funktionsfähigkeit im Ernstfall, hängt massgeblich von der regelmässigen und korrekten Instandhaltung ab. Wie Rosenbauer Brandschutz in ihrem Beitrag über „Regalsprinkleranlagen für Logistik-Unternehmen“ hervorhebt:

Wasserbasierte Löschanlagen haben den grössten Anteil an der gesamten Löschtechnik. Sie sind – im Fall der Sprinkleranlagen – eine unkomplizierte und seit Jahrzehnten bewährte Technik.

– Rosenbauer Brandschutz, Regalsprinkleranlagen für Logistik-Unternehmen

Diese bewährte Technik hat jedoch eine systemische Schwachstelle: die ständig wasserführenden Leitungen bei Nassanlagen. Korrosion und Ablagerungen wie Schlamm oder Rostpartikel können über die Jahre die Rohrleitungen und Sprinklerdüsen verengen oder sogar blockieren. Eine jährliche Spülung ist daher nicht nur eine Empfehlung, sondern eine Notwendigkeit, um die volle Durchflussmenge im Brandfall zu gewährleisten. Eine verstopfte Düse bedeutet im Klartext: kein Löschwasser, wo es am dringendsten gebraucht wird.

Gaslöschanlagen hingegen arbeiten mit trockenen Rohrsystemen. Das Löschmittel wird erst im Alarmfall aus Druckbehältern in die Leitungen freigesetzt. Dies eliminiert das Korrosionsrisiko fast vollständig. Der Wartungsfokus liegt hier auf der Prüfung der Behälterdrücke, der Ventile und der Steuerungselektronik. Eine Hauptprüfung der Druckbehälter ist in der Regel nur alle 10 Jahre erforderlich. Der folgende Vergleich verdeutlicht die zentralen Unterschiede im Wartungsaufwand und den damit verbundenen Risiken.

Wartungsintervalle und Risiken: Sprinkler vs. Gaslöschanlagen
Wartungsaspekt Sprinkleranlage Gaslöschanlage
Hauptprüfung Jährliche Spülung erforderlich Druckbehälterprüfung alle 10 Jahre
Korrosionsrisiko Hoch (wasserführende Leitungen) Minimal (trockene Systeme)
Fehlauslösungsrisiko Erhöht bei mangelnder Wartung Sehr gering
Wartungsaufwand Täglich, wöchentlich, monatlich Hauptsächlich jährlich

Die Wahl der Anlage definiert also den laufenden Aufwand und die Art der potenziellen Schwachstellen. Während bei Sprinklern die physische Integrität der Leitungen im Vordergrund steht, ist es bei Gaslöschanlagen die Zuverlässigkeit der Auslösemechanik und Druckhaltung.

Warum Rauchmelder an der 12-Meter-Decke zu spät reagieren

In modernen Logistikhallen mit Deckenhöhen von 12 Metern oder mehr ist die traditionelle Branddetektion mittels punktförmiger Rauchmelder an der Decke oft unzureichend. Das Problem ist die Detektions-Latenz: Bis der Rauch von einem Brandherd am Boden oder in den unteren Regalebenen die hohe Decke erreicht, hat sich das Feuer bereits massiv ausgebreitet. Thermische Schichtungen in der Halle können den Rauchaufstieg zusätzlich verlangsamen oder ablenken. Im schlimmsten Fall löst der Melder erst aus, wenn der Brand bereits ausser Kontrolle ist und die Löschanlage nur noch den Schaden begrenzen, aber nicht mehr die Ursache bekämpfen kann.

Die Lösung für dieses Problem liegt in der aktiven Brandfrüherkennung. Anstatt passiv darauf zu warten, dass der Rauch zum Melder kommt, holen Ansaugrauchmeldesysteme (RAS) den Rauch aktiv zum Melder. Ein Netz aus Rohrleitungen mit definierten Ansaugöffnungen wird direkt in den zu schützenden Bereichen, beispielsweise in den Regalen, installiert. Ein Hochleistungslüfter saugt kontinuierlich Luftproben an und führt sie zu einem hochempfindlichen Detektor. Dieses Prinzip ermöglicht eine Detektion in einem sehr frühen Stadium der Brandentstehung (Schwelbrandphase), lange bevor offene Flammen sichtbar sind.

Ein anschauliches Praxisbeispiel ist das Logistiklager der LDB Logistik GmbH. Dort wurden 2.500 Meter Ansaugleitungen installiert, um alle Ebenen des 9,3 Meter hohen Hochregallagers flächendeckend zu überwachen. Die Leitungen sind so in die Regalgestelle integriert, dass sie durch den Güterumschlag nicht beschädigt werden können. Ein solches System kann zwischen harmlosem Staub und gefährlichen Rauchpartikeln unterscheiden und bietet durch mehrstufige Alarme (Voralarm, Hauptalarm) wertvolle Zeit für eine manuelle Intervention, bevor eine automatische Löschung ausgelöst wird. Dies reduziert das Risiko von Fehlauslösungen und unnötigen Betriebsunterbrechungen erheblich.

Wie löschen Sie, wenn ein E-Stapler in der Ladestation brennt?

Der Brand eines Elektro-Gabelstaplers, insbesondere seiner Lithium-Ionen-Batterie, stellt eine extreme Herausforderung dar. Ein solcher Brand ist nicht mit einem gewöhnlichen Feuer vergleichbar. Die chemische Reaktion in der Batterie, das sogenannte „thermische Durchgehen“ (Thermal Runaway), setzt in kürzester Zeit enorme Energiemengen frei, kann zu Explosionen führen und ist mit Wasser kaum zu löschen. Das Wasser kühlt zwar die Oberfläche, stoppt aber nicht die exotherme Reaktion im Inneren der Batteriezellen. Schlimmer noch: Es können hochentzündliche Gase entstehen.

Der Schutz von Ladestationen erfordert daher ein mehrstufiges, spezialisiertes Sicherheitskonzept, das über eine einfache Decken-Sprinkleranlage weit hinausgeht. Der Fokus muss auf einer schnellen Detektion und einer unmittelbaren Bekämpfung am Brandherd liegen, um das thermische Durchgehen von vornherein zu verhindern. Die Installation einer Kleinlöschanlage, beispielsweise auf Basis von Aerosol-Löschgeneratoren, direkt über oder in der Ladestation ist hierfür eine effektive Massnahme. Diese Systeme können einen Brand innerhalb von Sekunden unterdrücken, ohne Wasserschäden an der empfindlichen Ladeelektronik zu verursachen.

Dieser technische Schutz muss durch organisatorische Massnahmen und die Wachsamkeit der Mitarbeiter ergänzt werden. Eine regelmässige Überprüfung der Ladeinfrastruktur ist ebenso entscheidend wie die schnelle Reaktion im Ernstfall.

Weitwinkelaufnahme einer modernen E-Stapler-Ladestation mit sichtbaren Sicherheitssystemen

Die visuelle Kontrolle durch geschultes Personal bleibt ein unverzichtbarer Bestandteil der Sicherheitskette. Um ein umfassendes Sicherheitsniveau zu erreichen, müssen mehrere technische und organisatorische Massnahmen ineinandergreifen. Die folgende Checkliste fasst die wesentlichen Schritte zusammen.

Aktionsplan zur Absicherung von E-Stapler-Ladestationen

  1. Räumliche Trennung: Richten Sie separate, feuerbeständige Brandabschnitte für Ladezonen ein, um eine Brandausbreitung auf das Hauptlager zu verhindern.
  2. Objektschutz installieren: Implementieren Sie Kleinlöschanlagen (z.B. Aerosol) direkt an der Ladestation zur sofortigen Brandunterdrückung am Entstehungsort.
  3. Automatische Abschaltung: Stellen Sie sicher, dass bei einer Branddetektion die Stromzufuhr zur betroffenen Ladestation automatisch und sofort unterbrochen wird.
  4. Speziallöschmittel bereithalten: Lagern Sie geeignete Löschmittel (z.B. auf Gel-Basis oder spezielle Lithium-X-Löscher) für den manuellen Eingriff durch die Feuerwehr in unmittelbarer Nähe.
  5. Systemintegration prüfen: Integrieren Sie die Detektion und Alarmierung der Ladezonen in die übergeordnete Brandmeldeanlage, um eine schnelle und koordinierte Reaktion zu gewährleisten.

Wie verhindern Sie, dass das Feuer von Halle A auf Halle B überspringt?

Die wirksamste Methode zur Begrenzung eines Grossbrandes ist die bauliche Unterteilung einer Lagerfläche in kleinere, voneinander getrennte Brandabschnitte. Das Prinzip ist einfach: Feuer, Rauch und Hitze werden für eine definierte Zeit (z.B. 90 Minuten) daran gehindert, von einem Gebäudeteil in den nächsten überzugreifen. Dies verschafft der Feuerwehr wertvolle Zeit für den Löscheinsatz und schützt die nicht betroffenen Hallenbereiche und die darin gelagerten Werte. Die Bildung von Brandabschnitten ist nicht nur eine Best Practice, sondern oft auch eine baurechtliche Forderung. So ist beispielsweise eine maximale Grösse von 6.000 m² für Hochregallagerbereiche festgelegt, bevor eine Unterteilung zwingend wird.

Die Umsetzung erfolgt durch Brandwände und Brandschutztore, die im Brandfall automatisch schliessen. Die Wirksamkeit eines Brandabschnitts steht und fällt jedoch mit der Integrität seiner „Schwachstellen“: Fördertechnikanlagen, die durch die Wände führen, müssen mit speziellen Feuerschutzabschlüssen (Förderanlagenabschlüsse, FAA) gesichert werden. Diese schotten die Öffnung im Alarmfall hermetisch ab. Ohne diese Abschlüsse wirken die Durchbrüche der Fördertechnik wie Brandbrücken, die das gesamte Konzept der Brandabschnittstrennung zunichtemachen.

Neben dem unschätzbaren Sicherheitsgewinn hat eine konsequente Brandabschnittstrennung auch handfeste finanzielle Vorteile. Wie der Fachverband Lichtkuppel, Lichtband und RWA (FVLR) betont, wird dies von den Versicherern honoriert:

Eine saubere Trennung der Brandabschnitte minimiert nicht nur das Risiko, sondern führt auch zu signifikant niedrigeren Versicherungsprämien für die einzelnen Hallen.

– FVLR, Brandschutz für Hochregalanlagen

Die Investition in eine hochwertige bauliche Trennung amortisiert sich somit nicht nur durch das verringerte Schadensrisiko, sondern auch durch laufende Einsparungen bei den Versicherungskosten. Es ist ein Paradebeispiel dafür, wie Sicherheit und Wirtschaftlichkeit Hand in Hand gehen.

Wie schützt ein Hochsicherheitsarchiv Ihre Geschäftsgeheimnisse vor Brand?

Für den Schutz von unersetzlichen Werten wie Geschäftsgeheimnissen, Serverdaten, Forschungsergebnissen oder juristischen Dokumenten ist eine Sprinkleranlage die denkbar schlechteste Lösung. Hier steht der Wert-Erhalt an oberster Stelle. Ein Brand mag gelöscht werden, doch das Löschwasser würde die Datenträger und Papierdokumente ebenso zuverlässig zerstören. In solchen Hochsicherheitsbereichen ist der Kollateralschaden durch das Löschmittel das Hauptrisiko. Deshalb kommen hier ausschliesslich Gaslöschanlagen zum Einsatz, die eine rückstandsfreie Löschung garantieren.

Das Funktionsprinzip dieser Anlagen basiert auf der Sauerstoffverdrängung. Im Brandfall wird der geschützte Raum – oft ein spezieller, feuerfester „Raum-im-Raum“ – mit einem Inertgas wie Stickstoff, Argon oder einem Gasgemisch (z.B. Inergen) geflutet. Die Sauerstoffkonzentration wird in Sekundenschnelle auf ein Niveau gesenkt, das eine Verbrennung physikalisch unmöglich macht. Das Feuer erstickt, ohne dass die gelagerten Werte mit dem Löschmittel in Kontakt kommen. Nach dem Lüften des Raumes ist der Betrieb theoretisch sofort wieder möglich, da keine Reinigungsarbeiten erforderlich sind.

Die Kombination aus baulichem Schutz (feuerwiderstandsfähige Wände nach F90-Standard), einer extrem frühen Branddetektion durch Ansaugrauchmelder und einer Gaslöschanlage bildet den Goldstandard für den Schutz von Hochsicherheitsarchiven und Rechenzentren. Eine Klimakontrolle zur Regulierung von Temperatur und Luftfeuchtigkeit minimiert zudem das Risiko von Sekundärschäden. Für maximale Vertrauenswürdigkeit gegenüber Versicherungen und Partnern ist eine VdS-Zertifizierung des gesamten Schutzkonzeptes unerlässlich. Sie bestätigt, dass alle Komponenten nach den höchsten Branchenstandards geplant, installiert und gewartet werden.

Warum Ihre Lithium-Batterien nicht ins Passagierflugzeug dürfen

Die strikten Vorschriften für den Transport von Lithium-Ionen-Batterien im Luftverkehr basieren auf einer simplen Tatsache: Sie stellen eine extreme und schwer kontrollierbare Brandgefahr dar. Das Risiko geht von einem Phänomen namens „thermisches Durchgehen“ aus, bei dem eine interne chemische Kettenreaktion die Batterie auf mehrere hundert Grad Celsius erhitzt, was zu Bränden und Explosionen führen kann, die sich kaum mit herkömmlichen Mitteln löschen lassen. Genau dieses Risiko, das den Transport im Flugzeug so gefährlich macht, existiert auch in Ihrem Lager, wenn Sie Lithium-Batterien lagern oder in Geräten verwenden. Technische Defekte oder Kurzschlüsse sind eine häufige Ursache für solche Ereignisse.

Daher ist eine Standardlagerung in einem normalen Regalbereich grob fahrlässig. Die Lagerung von Lithium-Ionen-Batterien, insbesondere von beschädigten oder zurückgesendeten Akkus, erfordert spezielle Sicherheitsmassnahmen. Der wichtigste Schritt ist die Einrichtung von separaten, feuerbeständigen Sicherheitslagerbereichen oder Quarantänezonen. Diese Bereiche sollten idealerweise gekühlt sein, um das Risiko einer Selbstentzündung zu minimieren, und mit einem spezialisierten Brandmelde- und Löschsystem ausgestattet sein.

Ein Brand in einem solchen Bereich muss isoliert und schnell bekämpft werden. Oft werden hierfür nicht nur Gaslöschanlagen, sondern auch spezielle Systeme eingesetzt, die den betroffenen Bereich mit Wasser fluten können, um eine dauerhafte Kühlung der Batterien zu erreichen und eine Wiederentzündung zu verhindern. Dies ist einer der wenigen Fälle, in denen eine gezielte Flutung eine valide Strategie sein kann – allerdings nur in einem dafür vorgesehenen, baulich abgetrennten Bereich, um den Schaden zu isolieren. Die Lagerung von Lithium-Batterien erfordert ein eigenes, hochspezialisiertes Brandschutzkonzept, das weit über die allgemeinen Anforderungen an ein Lager hinausgeht.

Das Wichtigste in Kürze

  • Risikoanalyse vor Systemwahl: Bewerten Sie nicht nur die Brandlast, sondern auch den Wert und die Wasserempfindlichkeit Ihrer Lagergüter. Der potenzielle Kollateralschaden ist Teil der Gesamtkosten.
  • Detektion ist entscheidend: In hohen Hallen sind Ansaugrauchmelder (RAS) traditionellen Punktmeldern überlegen, da sie einen Brand in der Entstehungsphase erkennen und wertvolle Zeit gewinnen.
  • Spezialrisiken erfordern Speziallösungen: Lithium-Ionen-Akkus und Hochsicherheitsarchive benötigen eigene, massgeschneiderte Schutzkonzepte (z.B. Gaslöschanlagen, Quarantänezonen), die über Standardlösungen hinausgehen.

Wie senken Sie die Unfallquote im Lager durch visuelle Leitsysteme?

Ein umfassendes Brandschutzkonzept endet nicht bei der Installation von Detektoren und Löschanlagen. Die Sicherheit der Mitarbeiter und die Effektivität des Rettungseinsatzes hängen massgeblich von passiven Sicherheitselementen ab, allen voran von klaren visuellen Leitsystemen. Bodenmarkierungen, Schilder und Lichtsysteme dienen nicht nur der Optimierung von Logistikprozessen und der Vermeidung von Kollisionen zwischen Flurförderzeugen und Personal im Normalbetrieb. Im Brandfall übernehmen sie eine lebensrettende Funktion.

Wie die VDI-Richtlinie 3564 zum Brandschutz in Hochregallagern hervorhebt, ist ihre Rolle im Notfallkonzept zentral:

Bodenmarkierungen und Leitsysteme verhindern nicht nur Kollisionen, sondern kennzeichnen auch Fluchtwege im Brandfall klar und sichern den Zugang für Rettungskräfte.

– VDI-Richtlinie 3564, Brandschutz in Hochregallagern

Bei starker Rauchentwicklung, die die Sicht auf wenige Zentimeter reduziert, sind bodennahe, nachleuchtende Markierungen oft die einzige Orientierungshilfe für flüchtende Mitarbeiter. Sie leiten Personen sicher zu den Notausgängen und verhindern Panik. Gleichzeitig weisen sie den eintreffenden Feuerwehrkräften den schnellsten und sichersten Weg zum Brandherd und zu wichtigen Anlagen wie Steigleitungen oder der Brandmeldezentrale. Ein Lager ohne ein durchdachtes, gut gewartetes und jederzeit sichtbares Leitsystem ist im Ernstfall eine Falle. Die Investition in hochwertige, langlebige Bodenmarkierungen ist somit eine direkte Investition in den Personenschutz und die Effizienz der externen Brandbekämpfung.

Die Integration dieser passiven Systeme in die aktive Brandschutztechnik schafft ein robustes, mehrschichtiges Sicherheitsnetz. Es stellt sicher, dass im Chaos eines Brandes sowohl die Technik als auch der Mensch bestmöglich funktionieren können. Die Senkung der Unfallquote im Alltag ist dabei ein willkommener Nebeneffekt einer sicherheitsorientierten Lagergestaltung.

Ein ganzheitlicher Ansatz integriert aktive und passive Systeme. Um die finale Sicherheitsebene zu gewährleisten, ist es entscheidend, die Rolle visueller Leitsysteme als Teil des Gesamtkonzepts zu verstehen.

Die Wahl der richtigen Löschanlage ist somit das Ergebnis einer tiefgehenden, strategischen Analyse Ihrer spezifischen Risiken und Schutzziele. Um die für Ihre Situation optimale Entscheidung zu treffen, ist der nächste logische Schritt eine professionelle Risiko- und Wertanalyse durch einen zertifizierten Brandschutzexperten.

Geschrieben von Jens Jens Hoffmann, Logistikmeister und Experte für Lagerlogistik, Intralogistik und Arbeitssicherheit. 18 Jahre Erfahrung in der Planung und operativen Leitung von Hochregallagern und Fulfillment-Centern.