
Zusammenfassend:
- Ohne gültige EORI-Nummer wird jede gewerbliche Sendung systemisch blockiert; die Beantragung ist jedoch oft innerhalb weniger Stunden möglich.
- Eine falsche Zolltarifnummer ist der häufigste Grund für Nachzahlungen und manuelle Prüfungen, die Wochen dauern können.
- Die Wahl des Incoterms (z. B. „Ab Werk“ statt „Frei Haus“) entscheidet darüber, wer die Kontrolle und das Risiko bei Zollverzögerungen trägt.
- Fehlende Dokumente wie CE-Konformitätserklärungen führen zur sofortigen Festhaltung der Ware durch den Zoll.
- Das Risiko einer Verzögerung bei LCL-Containern (Stückgut) ist hoch, da Fehler eines Mit-Versenders Ihre gesamte Ware blockieren können.
Die Vorstellung ist für jeden Importeur ein Albtraum: Der lange erwartete Container mit Waren aus Asien oder dem Vereinigten Königreich erreicht den Hafen, doch statt einer schnellen Freigabe folgt eine Nachricht über „Verzögerung bei der Zollabfertigung“. Plötzlich stehen Wochen des Wartens, unzufriedene Kunden und unvorhergesehene Lagerkosten im Raum. Viele suchen die Lösung in der Wahl des richtigen Spediteurs oder der Versicherung, was zwar wichtig, aber oft nicht die Wurzel des Problems ist. Die gängigen Ratschläge, „alle Papiere korrekt auszufüllen“, bleiben meist zu vage und verhindern nicht die eigentlichen Fallstricke.
Doch was, wenn die wahre Ursache für Verzögerungen nicht Pech oder die Komplexität des Systems ist, sondern eine Reihe von vorhersehbaren, prozessualen Konsequenzen auf spezifische administrative Fehler? Die Vermeidung von wochenlangen Wartezeiten liegt nicht in der Hoffnung auf einen reibungslosen Ablauf, sondern in der präventiven Eliminierung der exakten Triggerpunkte, die eine manuelle Prüfung und damit eine systemische Blockade auslösen. Jeder Fehler, von einer falschen Ziffer in einer Nummer bis hin zu einem fehlenden Zertifikat, ist ein solcher Trigger.
Dieser Leitfaden agiert aus der Perspektive eines Zollbeamten: präzise, prozessorientiert und auf Compliance bedacht. Wir sezieren nicht nur die häufigsten Fehlerquellen, sondern erklären die bürokratische Logik dahinter. Sie werden verstehen, warum ein scheinbar kleiner Fehler eine Kettenreaktion auslöst und wie Sie diese Triggerpunkte von vornherein entschärfen, um Ihre Waren ohne unliebsame Überraschungen durch den Zoll zu bringen.
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Um Ihnen eine strukturierte Übersicht über diese kritischen Fehlerquellen und deren Vermeidung zu geben, folgt ein detaillierter Einblick in die einzelnen Aspekte der Zollabwicklung. Der nachfolgende Sommaire führt Sie durch die entscheidenden Themen, von der fundamentalen EORI-Nummer bis zur strategischen Wahl des richtigen Containertyps.
Inhaltsverzeichnis: Systemische Zollverzögerungen und ihre präventive Lösung
- Warum ohne EORI-Nummer keine gewerbliche Einfuhr möglich ist
- Falsche Zolltarifnummer: Der Fehler, der zu teuren Nachzahlungen führt
- ATLAS-System oder Dienstleister: Was lohnt sich für 5 Sendungen im Monat?
- Was tun, wenn der Zoll Ihre Ware wegen fehlender CE-Kennzeichnung stoppt?
- Wann Sie durch Präferenznachweise 0 % Zoll zahlen statt 12 %
- Ab Werk oder Frei Haus: Welcher Incoterm schützt Sie besser vor Verlust?
- Der Dokumentenfehler, der Ihren Container 3 Wochen in Hamburg festhält
- LCL oder FCL: Wann lohnt sich der eigene Container wirklich für Sie?
Warum ohne EORI-Nummer keine gewerbliche Einfuhr möglich ist
Die EORI-Nummer (Economic Operators Registration and Identification) ist die fundamentale Voraussetzung für jede gewerbliche Zollabwicklung in der EU. Ohne diese eindeutige Kennung kann ein Wirtschaftsbeteiligter im IT-System des Zolls, ATLAS, nicht identifiziert werden. Die prozessuale Konsequenz ist unumgänglich: Die Sendung wird systemisch gestoppt, eine Zollanmeldung ist technisch unmöglich. Dies ist kein Ermessensspielraum, sondern eine automatisierte Blockade. Viele Importneulinge verkennen die Dringlichkeit und beantragen die Nummer erst, wenn die Ware bereits unterwegs ist, was zu vermeidbaren Standzeiten führt.
Die gute Nachricht ist jedoch, dass die Beantragung und die Lösung dieses Problems oft schneller gehen als angenommen. Entgegen der Sorge vor wochenlanger Bürokratie können Unternehmen laut dem Dienstleister AusfuhrDirekt oft schon innerhalb von zwei bis drei Stunden nach Online-Antragstellung eine Eingangsbestätigung erhalten. Diese Bestätigung enthält eine sogenannte „vorgezogene EORI-Nummer“ und berechtigt bereits zur Teilnahme am ATLAS-Verfahren, noch bevor die endgültige Nummer zugewiesen wird. Damit lässt sich eine unmittelbare Blockade abwenden.
Um Fehler bei der Beantragung zu vermeiden, die den Prozess unnötig verlangsamen, sind folgende Punkte entscheidend:
- Vollständigkeit der Daten: Alle Pflichtfelder im Online-Portal müssen ausgefüllt werden, insbesondere die Zustimmung zur Veröffentlichung der Daten in der EU-Datenbank.
- Korrektes Zertifikat: Unternehmen müssen zwingend ihr ELSTER-Organisationszertifikat verwenden, nicht das persönliche Zertifikat eines Geschäftsführers.
- Keine Verwechslung: Die EORI-Nummer ist nicht identisch mit der Umsatzsteuer-Identifikationsnummer. Sie beginnt für deutsche Unternehmen immer mit „DE“ gefolgt von 15 Ziffern.
- Rechtzeitiger Antrag: Der Antrag muss vor der ersten zollpflichtigen Tätigkeit gestellt werden.
Falsche Zolltarifnummer: Der Fehler, der zu teuren Nachzahlungen führt
Die Zolltarifnummer, auch Warennummer oder HS-Code genannt, ist das Herzstück jeder Zollanmeldung. Sie klassifiziert eine Ware eindeutig und bestimmt den anzuwendenden Zollsatz, eventuelle Einfuhrbeschränkungen und notwendige Dokumente. Ein Fehler bei dieser Nummer ist einer der häufigsten und kostspieligsten Triggerpunkte für Verzögerungen. Eine falsche Angabe führt nicht nur potenziell zu erheblichen Nachzahlungen von Zöllen und Einfuhrumsatzsteuer, sondern signalisiert dem Zollsystem auch eine Inkonsistenz. Dies löst mit hoher Wahrscheinlichkeit eine manuelle Dokumentenprüfung oder sogar eine physische Warenbeschau aus.
Der Unterschied im Zeitaufwand ist gravierend. Während eine elektronische Standard-Verzollung ohne Beanstandungen oft innerhalb von 24 Stunden abgeschlossen ist, kann sich der Prozess bei einer Prüfung drastisch verlängern. Eine Studie von Rechtsexperten zeigt, dass eine Dokumentenprüfung oder Warenbeschau den Prozess um mehrere Tage oder in komplexen Fällen sogar um Wochen verzögern kann. Der Container bleibt während dieser Zeit blockiert, und es fallen zusätzliche Lager- und Standgebühren an.

Die korrekte Einreihung der Ware ist eine anspruchsvolle Aufgabe, die genaue Kenntnisse über die Beschaffenheit, das Material und den Verwendungszweck des Produkts erfordert. Insbesondere bei Produkten, die aus mehreren Materialien bestehen oder mehrere Funktionen haben, ist die Abgrenzung schwierig. Die Verantwortung für die korrekte Tarifierung liegt immer beim Importeur. Sich blind auf die Angabe des ausländischen Lieferanten zu verlassen, ist ein hohes Risiko, da dieser die komplexen EU-Vorschriften oft nicht im Detail kennt.
ATLAS-System oder Dienstleister: Was lohnt sich für 5 Sendungen im Monat?
Für Importeure stellt sich früh die strategische Frage, wie die gesetzlich vorgeschriebene elektronische Zollanmeldung über das ATLAS-System (Automatisiertes Tarif- und Lokales Zoll-Abwicklungs-System) erfolgen soll. Grundsätzlich gibt es zwei Wege: die Anschaffung einer eigenen zertifizierten Software und die Abwicklung im Eigenbetrieb oder die Beauftragung eines externen Zolldienstleisters bzw. einer Agentur. Bei einem geringen Sendungsaufkommen von beispielsweise fünf Einfuhren pro Monat ist die Entscheidung von erheblicher finanzieller und operativer Tragweite.
Der Eigenbetrieb über eine ATLAS-Software ist mit erheblichen Initialkosten verbunden. Neben den Lizenzgebühren für die Software, die mehrere tausend Euro betragen können, sind auch intensive Schulungen der Mitarbeiter erforderlich, um die komplexe Anwendung korrekt zu bedienen. Dieses Modell rentiert sich in der Regel erst ab einem deutlich höheren Sendungsvolumen. Für kleine und mittlere Importeure ist der Rückgriff auf einen Dienstleister meist die wirtschaftlichere und sicherere Wahl, wie auch Experten bestätigen. Die Zollexperten GmbH formuliert es treffend in ihrem Fachbeitrag zur Verzollungsdauer:
Eine Zollagentur kann Unternehmen bei der Planung und Durchführung von Import- und Exportgeschäften unterstützen und dazu beitragen, dass die Verzollung nicht länger als unbedingt nötig dauert.
– Die Zollexperten GmbH
Ein direkter Vergleich der beiden Optionen macht die Vor- und Nachteile für Importeure mit geringem Volumen deutlich. Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Kriterien zusammen:
| Kriterium | ATLAS-Eigenbetrieb | Zolldienstleister |
|---|---|---|
| Initialkosten | Software + Schulung (>5.000€) | Keine Anfangsinvestition |
| Bearbeitungszeit Standard | 24h bei fehlerfreier Eingabe | 24h mit Expertenprüfung |
| Bei Fehlern | Verzögerung mehrere Tage bis Wochen | Proaktive Fehlervermeidung |
| Haftungsrisiko | Vollständig beim Unternehmen | Teilweise beim Dienstleister |
| Empfehlung ab | >20 Sendungen/Monat | <20 Sendungen/Monat |
Für fünf Sendungen im Monat ist die Schlussfolgerung eindeutig: Ein Dienstleister vermeidet nicht nur hohe Anfangsinvestitionen, sondern minimiert auch das Haftungsrisiko und das Risiko von Anwendungsfehlern, die wiederum zu kostspieligen Verzögerungen führen würden. Die Expertise des Agenten wirkt als Puffer gegen die typischen Fallstricke.
Was tun, wenn der Zoll Ihre Ware wegen fehlender CE-Kennzeichnung stoppt?
Eine der gravierendsten prozessualen Konsequenzen im Zollverfahren ist die Festhaltung der Ware aufgrund von Verstössen gegen das Produktsicherheitsgesetz. Ein häufiger Triggerpunkt hierfür ist eine fehlende, gefälschte oder falsch angebrachte CE-Kennzeichnung. Betroffen sind zahlreiche Produktgruppen, von Spielzeug über Elektronik bis hin zu Maschinen. Trifft der Zoll auf eine solche Sendung, wird die Freigabe sofort verweigert und ein sogenanntes Grenzbeschlagnahmeverfahren eingeleitet. Die Ware ist damit effektiv blockiert.
In dieser Situation ist es entscheidend zu verstehen, dass die volle Verantwortung beim Importeur liegt. Er gilt rechtlich als „Inverkehrbringer“ in der EU und haftet für die Konformität des Produkts. Laut IHK München ist der Importeur zu 100% haftbar für die CE-Konformität bei kritischen Produkten wie Spielwaren, elektrischen Erzeugnissen und Maschinen. Unwissenheit oder das Vertrauen auf Angaben des Lieferanten schützen vor den Konsequenzen nicht. Diese umfassen nicht nur die Blockade der aktuellen Sendung, sondern können auch zu Vertriebsverboten, Bussgeldern oder im schlimmsten Fall zur Anordnung der Vernichtung der Ware führen.
Sollte es zu einem Zollstopp kommen, ist schnelles und strukturiertes Handeln gefragt. Panik ist hier ein schlechter Ratgeber. Stattdessen sollte ein klarer Notfallplan befolgt werden, um die Optionen zu prüfen und den Schaden zu begrenzen.
Aktionsplan bei einem Zollstopp wegen fehlender CE-Kennzeichnung
- Sofortiger Kontakt: Nehmen Sie umgehend Kontakt mit dem zuständigen Zollbeamten auf, um die genauen Gründe für die Beanstandung zu erfahren und Kooperationsbereitschaft zu signalisieren.
- Dokumentennachforderung: Fordern Sie unverzüglich die EU-Konformitätserklärung und alle relevanten technischen Unterlagen (z. B. Prüfberichte) vom Hersteller an.
- Nachbesserung prüfen: Klären Sie mit dem Zoll, ob eine Nachbesserung der Ware (z. B. das Anbringen der Kennzeichnung) in einem Zolllager unter zollamtlicher Überwachung möglich ist.
- Zertifikate vorlegen: Legen Sie bei technischen Produkten alle verfügbaren Prüfzertifikate von akkreditierten Stellen vor, um die grundsätzliche Konformität nachzuweisen.
- Letzte Optionen: Falls eine Freigabe ausgeschlossen ist, evaluieren Sie die verbleibenden Optionen: die Rücksendung der Ware an den Absender oder die kontrollierte Vernichtung unter Zollaufsicht, um weitere Kosten zu vermeiden.
Die präventive Prüfung der CE-Anforderungen lange vor der Bestellung ist der einzig wirksame Schutz. Dies beinhaltet die Anforderung und Prüfung der Konformitätserklärung und relevanter Testberichte bereits bei der Lieferantenauswahl.
Wann Sie durch Präferenznachweise 0 % Zoll zahlen statt 12 %
Neben der Vermeidung von Verzögerungen ist die Optimierung der Einfuhrabgaben ein zentrales Ziel für jeden Importeur. Ein oft übersehener, aber extrem wirkungsvoller Hebel hierfür sind Präferenznachweise. Diese offiziellen Dokumente bescheinigen den Ursprung einer Ware und ermöglichen auf Basis von Handelsabkommen zwischen der EU und bestimmten Drittländern eine deutliche Reduzierung oder sogar den vollständigen Erlass der sonst fälligen Zollsätze. Anstatt beispielsweise 12 % Regelzoll für ein Produkt zu zahlen, kann der Satz durch einen korrekten Präferenznachweis auf 0 % sinken.
Der finanzielle Vorteil ist unmittelbar, doch der prozessuale Haken liegt im Detail. Ein Präferenznachweis ist kein formloses Dokument, sondern muss strikte formale und inhaltliche Kriterien erfüllen. Die häufigsten Formen sind die Warenverkehrsbescheinigung (z. B. EUR.1) oder eine Ursprungserklärung auf der Rechnung. Fehlt dieses Dokument, ist es fehlerhaft ausgestellt oder wird es vom Zoll nicht anerkannt, wird der reguläre, höhere Drittlandszollsatz angewendet. Eine nachträgliche Korrektur ist oft aufwendig oder unmöglich.
Die grösste Fehlerquelle liegt darin, anzunehmen, dass das Herkunftsland allein für eine Präferenzbehandlung ausreicht. Entscheidend sind die spezifischen Ursprungsregeln im jeweiligen Handelsabkommen. Diese legen fest, wie stark ein Produkt im Partnerland be- oder verarbeitet worden sein muss, um als Ursprungsware zu gelten. Ein einfaches „Made in…“-Label genügt nicht. Der Importeur muss sicherstellen, dass sein Lieferant diese Regeln kennt und korrekt anwendet.
Für eine erfolgreiche Nutzung von Zollpräferenzen ist eine präzise Vorgehensweise erforderlich. Die folgenden Punkte bilden eine Checkliste für die Praxis:
- Fordern Sie aktiv die korrekte Präferenzbescheinigung (z. B. EUR.1 oder Ursprungserklärung) von Ihrem Lieferanten an.
- Prüfen Sie, ob die Ware die spezifischen Ursprungsregeln des jeweiligen Präferenzabkommens erfüllt.
- Nutzen Sie für Sendungen mit geringem Wert (meist unter 6.000 €) die Möglichkeit der vereinfachten Ursprungserklärung auf der Rechnung durch den Exporteur.
- Vereinbaren Sie bei regelmässigen Importen vom selben Lieferanten eine Langzeit-Lieferantenerklärung (LLE), um den administrativen Aufwand zu reduzieren.
- Beachten Sie spezifische Formblätter wie das Formblatt A für Importe aus bestimmten Entwicklungsländern.
Ab Werk oder Frei Haus: Welcher Incoterm schützt Sie besser vor Verlust?
Die Wahl des richtigen Incoterms ist eine der fundamentalsten strategischen Entscheidungen im internationalen Handel. Diese standardisierten Lieferklauseln regeln, wer für welche Kosten aufkommt und, noch wichtiger, an welchem Punkt des Transports das Risiko für Verlust oder Beschädigung der Ware vom Verkäufer auf den Käufer übergeht. Im Kontext von Zollverzögerungen ist die entscheidende Frage: Wer hat die Kontrolle über die Zollabwicklung und trägt die Konsequenzen, wenn etwas schiefgeht? Zwei der extremsten Klauseln, EXW (Ex Works / Ab Werk) und DDP (Delivered Duty Paid / Geliefert verzollt), illustrieren das Spannungsfeld perfekt.
Auf den ersten Blick erscheint DDP für den Importeur verlockend: Der Verkäufer kümmert sich um alles, inklusive Transport, Versicherung und Zollabwicklung bis zur Haustür des Käufers. Doch hier lauert ein verstecktes, hohes Risiko. Der Importeur gibt die gesamte Kontrolle ab. Spart der Verkäufer am falschen Ende, indem er einen unerfahrenen oder billigen Zollagenten im Zielland beauftragt, fallen alle daraus resultierenden Verzögerungen und Probleme auf den Importeur zurück. Seine Ware steckt fest, obwohl er vermeintlich ein „Rundum-sorglos-Paket“ gebucht hat.

Am anderen Ende des Spektrums steht EXW. Hier übernimmt der Käufer die Ware direkt am Werk des Verkäufers und ist für den gesamten weiteren Prozess, einschliesslich der Exportabfertigung im Ursprungsland und der Importabfertigung im Zielland, selbst verantwortlich. Dies bedeutet maximale Kontrolle, aber auch maximale Verantwortung. Für kleine Importeure ist dies oft eine zu grosse Belastung. Sinnvolle Alternativen liegen in der Mitte, wie FOB (Free On Board) oder FCA (Free Carrier), bei denen der Käufer die Kontrolle über den Haupttransport und die kritische Import-Zollabwicklung behält.
Die folgende Tabelle aus einer Analyse von PackMojo zeigt, wie sich die Kontrolle und das Risiko bei verschiedenen Incoterms verschieben, was direkte Auswirkungen auf das Risiko von Zollverzögerungen hat.
| Incoterm | Kontrolle über Zollabwicklung | Verzögerungsrisiko | Versteckte Kosten |
|---|---|---|---|
| EXW (Ab Werk) | Vollständig beim Käufer | Niedrig | Verladung/Exportabfertigung im Ursprungsland |
| DDP (Frei Haus) | Beim Verkäufer | Hoch (Verkäufer spart oft am Zollagenten) | Meist keine |
| CIF/CIP | Geteilt | Mittel | Teilweise |
| DAP | Käufer nur für Import | Niedrig bis Mittel | Importabwicklung |
Der Dokumentenfehler, der Ihren Container 3 Wochen in Hamburg festhält
Alle bisher genannten Triggerpunkte – von der EORI-Nummer bis zur CE-Kennzeichnung – manifestieren sich letztendlich in den Begleitdokumenten einer Sendung. Die Handelsrechnung, die Packliste, der Frachtbrief (Bill of Lading) und spezifische Zertifikate sind nicht nur Formalitäten, sondern die Datengrundlage, auf der das ATLAS-System seine Plausibilitätsprüfungen durchführt. Jede Abweichung, jede fehlende Information oder Inkonsistenz zwischen den Dokumenten ist ein rotes Tuch für den Zollalgorithmus und führt fast zwangsläufig zu einer manuellen Prüfung.
Ein klassisches Beispiel ist eine Handelsrechnung, auf der die Zolltarifnummern fehlen oder die Warenbeschreibung zu vage ist (z. B. „Ersatzteile“ statt einer präzisen Bezeichnung). Ein weiteres häufiges Problem sind Diskrepanzen zwischen Packliste und Rechnung: Die Anzahl der Pakete stimmt nicht überein, oder das angegebene Gewicht weicht signifikant ab. Solche Fehler deuten auf mangelnde Sorgfalt hin und wecken den Verdacht, dass möglicherweise versucht wird, Abgaben zu umgehen oder Beschränkungen zu unterlaufen. Die prozessuale Konsequenz ist eine Eskalation von der automatisierten zur manuellen Bearbeitung.
Die Bedeutung korrekter Papiere kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. In der Praxis sind sie die häufigste Ursache für vermeidbare Blockaden. Diese Einschätzung wird von Fachexperten geteilt. So konstatieren laut Die Zollexperten GmbH, dass der Hauptgrund für Verzögerungen unvollständige oder fehlerhafte Dokumente sind. Ein simpler Zahlendreher oder ein fehlendes Dokument kann so einen Dominoeffekt auslösen, der einen Container für Wochen im Hafen festhält, während der zuständige Zollbeamte auf Klärung und korrigierte Unterlagen wartet.
Die Lösung liegt in einem Vier-Augen-Prinzip vor dem Versand der Ware. Der Importeur oder sein beauftragter Dienstleister sollte alle Dokumentenentwürfe vom Versender anfordern und auf Vollständigkeit, Korrektheit und Konsistenz prüfen. Diese proaktive Qualitätskontrolle ist ein geringer Aufwand im Vergleich zu den Kosten und dem Frust einer dreiwöchigen Verzögerung in Hamburg oder einem anderen EU-Hafen.
Das Wichtigste in Kürze
- Präventive Compliance ist entscheidend: Die proaktive Klärung von EORI-Nummer, Zolltarifnummer und CE-Kennzeichnung vor dem Versand ist der wirksamste Schutz vor Verzögerungen.
- Kontrolle ist besser als Vertrauen: Verlassen Sie sich nicht blind auf die Angaben von Lieferanten oder die vermeintliche Einfachheit von DDP-Incoterms. Behalten Sie die Kontrolle über kritische Zollprozesse.
- Das Risiko von Sammelgut (LCL) nicht unterschätzen: Die Ersparnis bei LCL-Transporten kann durch das hohe Verzögerungsrisiko, das von Fehlern anderer Versender ausgeht, zunichtegemacht werden.
LCL oder FCL: Wann lohnt sich der eigene Container wirklich für Sie?
Für Importeure, deren Warenvolumen keinen ganzen Container füllt, scheint die Entscheidung klar: LCL (Less than Container Load), also die Verschiffung als Stückgut in einem Sammelcontainer, ist die kostengünstigere Option. Man teilt sich den Platz und die Kosten mit anderen Versendern. Doch diese Rechnung vernachlässigt einen entscheidenden, versteckten Risikofaktor, der direkt zu wochenlangen Verzögerungen führen kann: das Mit-Haftungsrisiko. Bei einer Zollabfertigung wird ein Sammelcontainer oft als eine einzige Einheit betrachtet.
Das bedeutet in der Praxis: Wenn nur einer der Versender im Container einen Fehler gemacht hat – sei es eine falsche Deklaration, fehlende Dokumente oder sogar der Versuch, Schmuggelgut zu importieren – kann der Zoll den gesamten Container zur intensiven Prüfung (Warenbeschau) festhalten. Ihre perfekt deklarierte und dokumentierte Ware wird so zur Geisel der Fehler anderer. Dieses systemische Risiko wird von vielen Importeuren unterschätzt. Ein Fallbeispiel aus der Logistikbranche illustriert, dass die Entdeckung von nicht deklariertem Gefahrgut eines Versenders in einem LCL-Container zu einer detaillierten Prüfung des gesamten Inhalts und Verzögerungen von ein bis drei Wochen für alle anderen Beteiligten führen kann.
Fallstudie: Das versteckte Verzögerungsrisiko bei LCL-Sendungen
Das grösste Risiko bei LCL-Transporten (Stückgut) ist die Abhängigkeit von anderen Versendern. Ihre einwandfrei deklarierte Ware kann wochenlang blockiert werden, nur weil ein anderer Versender im selben Container Fehler gemacht hat. Befindet sich beispielsweise nicht deklariertes Gefahrgut im Container, erregt dies die Aufmerksamkeit des Zolls und führt mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einer detaillierten Prüfung des gesamten Containers. Die daraus resultierende Verzögerung kann leicht eine bis drei Wochen betragen, während der Ihre Ware nicht verfügbar ist.
Neben dem Verzögerungsrisiko kommen bei LCL oft höhere Hafengebühren pro Kubikmeter, ein höheres Beschädigungsrisiko durch mehrfaches Umladen und längere Entladezeiten im Zielhafen hinzu. Die Entscheidung für FCL (Full Container Load), also einen exklusiv genutzten Container, kann sich daher schon bei einem Volumen von 10-15 Kubikmetern lohnen, wenn man die Gesamtkosten des Risikos (Total Cost of Risk) mit einbezieht. Mit einem FCL-Container ist Ihre Sendung isoliert; eventuelle Zollprüfungen betreffen nur Ihre eigene Ware und hängen nicht von der Compliance Dritter ab.
Die Einhaltung der Zollvorschriften ist keine Option, sondern die Grundlage für ein erfolgreiches Importgeschäft. Die vorgestellten Triggerpunkte sind die häufigsten Ursachen für kostspielige Verzögerungen. Eine präventive und akribische Prüfung dieser Punkte in Ihren Prozessen ist die beste Investition in eine planbare und effiziente Lieferkette. Beginnen Sie noch heute damit, Ihre Abläufe zu auditieren und diese Fehlerquellen systematisch zu eliminieren.